Folge 8 von 13 · Anatomie eines Hacks

Die BBC wurde nicht gehackt. Ihr Lohnabrechner wurde gehackt.

Betroffen sein, ohne selbst angegriffen worden zu sein.

LieferketteDatenschutzAuftragsverarbeitung

Juni 2023. Eine Angriffswelle trifft weltweit tausende Organisationen gleichzeitig – über ein Werkzeug, das die meisten Betroffenen selbst nie eingesetzt haben.

  1. Die Angreifer finden eine unbekannte Lücke in einer weit verbreiteten Software für sicheren Dateiaustausch. Sie suchen sich kein Opfer aus – sie greifen automatisiert ab, was über das Internet erreichbar ist.
  2. Sie verschlüsseln nichts. Sie kopieren nur. Es fehlt hinterher keine einzige Datei – und genau deshalb fällt es viel später auf als eine Erpressung.
  3. Unter den Betroffenen ist ein britischer Dienstleister für Lohnabrechnung. Bei ihm liegen die Gehaltsdaten der Belegschaften seiner Kunden.
  4. Damit sind auf einen Schlag Personaldaten bei BBC, British Airways, Boots und weiteren betroffen. Unternehmen, die diese Software nie installiert hatten und selbst gar nicht angegriffen wurden.

Die Folgen

  • mehr als 2.500 Organisationen weltweit betroffen
  • Personaldaten von vielen Millionen Menschen
  • viele erfuhren erst Wochen später überhaupt, dass es sie betrifft
  • Sammelklagen und Verfahren laufen bis heute

Warum ich diese Geschichte teile

Weil die meisten Sicherheitskonzepte am eigenen Firmennetz aufhören. Ihre Daten tun das nicht. Drei Punkte:

  • Machen Sie die Liste. Wer außerhalb Ihres Hauses verarbeitet Ihre Daten? Lohnbuchhaltung, Steuerberater, Versicherungsmakler, Cloud-Dienste, Bewerberportal. Die wenigsten haben sie je erstellt – obwohl die DSGVO sie ohnehin verlangt.
  • Rufen Sie einmal an. Eine Frage an jeden Dienstleister: Was passiert, wenn es bei Ihnen passiert – und wie schnell erfahre ich davon? Die Antwort sagt mehr als jedes Zertifikat auf der Website.
  • Klären Sie vorher, wer informiert. Fließen Personaldaten ab, müssen Ihre Mitarbeiter es erfahren – und die DSGVO-Frist läuft ab dem Moment, in dem Sie davon wissen. Nicht ab dem, in dem Sie sich sortiert haben.

Die gute Nachricht: Diese Liste ist an einem Nachmittag gemacht und auch ohne Angriff etwas wert. Bei einem Penetrationstest schauen wir nicht nur auf Ihr Netz, sondern auch darauf, welche Daten es verlassen – und wohin.

Penetrationstest unverbindlich anfragen

Ehrliche Frage: Könnten Sie aus dem Stand sagen, bei wie vielen Stellen außerhalb Ihres Hauses Personaldaten Ihrer Mitarbeiter liegen?


Quelle: öffentlich dokumentiert (Angriffswelle über eine Dateitransfer-Software, Juni 2023, bekannt als MOVEit-Vorfall; u. a. Mitteilungen der Betroffenen, BBC, heise online).