Folge 12 von 13 · Anatomie eines Hacks

Der Mitarbeiter war nicht mehr im Unternehmen. Sein Zugang schon.

Er lud Berichte herunter – wie an jedem anderen Arbeitstag.

OffboardingBerechtigungenInsider

Dezember 2021, ein US-Finanzdienstleister. Ein ehemaliger Mitarbeiter ruft interne Berichte ab. Er hatte das Unternehmen zu diesem Zeitpunkt bereits verlassen.

  1. Technisch war daran nichts auffällig. Es waren dieselben Berichte, die er zuvor beruflich abgerufen hatte, über denselben Weg, mit demselben Zugang.
  2. Die Berichte enthielten Namen, Depotnummern, Depotwerte und Bestände von Kundinnen und Kunden.
  3. Es gab keinen Einbruch, keine Schadsoftware, keine ausgenutzte Lücke. Nur einen Zugang, der die Beschäftigung überdauert hat.
  4. Öffentlich wurde der Vorfall erst im April 2022 – über eine Pflichtmitteilung an die Börsenaufsicht, mehr als vier Monate später.

Die Folgen

  • 8,2 Millionen Kundinnen und Kunden mussten benachrichtigt werden
  • über vier Monate zwischen Vorfall und Veröffentlichung
  • Jahre später ein Vergleich über 15 Millionen US-Dollar

Warum ich diese Geschichte teile

Weil das der Fall ist, den ich in kleinen Unternehmen am häufigsten finde. Jemand geht – und der Zugang bleibt. Meist nicht aus Nachlässigkeit, sondern weil niemand eine vollständige Liste hat, was überhaupt abzuschalten wäre. Drei Punkte:

  • Der Zugang endet am letzten Arbeitstag. Nicht „demnächst“. Und zwar alle: Firmennetz, Cloud-Dienste, VPN, Fernwartung, Sammelkonten, Diensthandy.
  • Ohne Liste kein Offboarding. Sie können nur abschalten, wovon Sie wissen. Diese Liste einmal anzulegen ist die eigentliche Arbeit – sie danach zu pflegen, ist wenig.
  • Und der unbequeme Teil: Würden Sie es überhaupt bemerken? Hier wurde keine Tür aufgebrochen. Es wurden Berichte heruntergeladen, ganz normal. Wer große Datenmengen exportiert, sollte auffallen.

Die gute Nachricht: Beides lässt sich prüfen. Bei einem Penetrationstest sehen wir uns an, welche Zugänge es tatsächlich gibt – auch die, die in keiner Übersicht stehen – und wie weit man mit einem davon käme.

Penetrationstest unverbindlich anfragen

Ehrliche Frage: Wenn heute jemand kündigt – wüssten Sie aus dem Stand, welche Zugänge Sie alle schließen müssten?


Quelle: öffentlich dokumentiert (Insider-Vorfall bei Cash App / Block, 2021/2022; u. a. die Pflichtmitteilung des Unternehmens an die US-Börsenaufsicht, BleepingComputer, heise online).